25 Jahre Schuldner- und Insolvenz-

beratung im Caritasverband Neuwied

28.11.2018 | Zu einem Fest der Begegnung anlässlich 25 Jahre Schuldner- und Insolvenzberatung hatten gestern der Caritasverband Neuwied und die Mitarbeiterinnen des Fachdienstes eingeladen. — Sehr vielen Menschen sind die Caritas-Mitarbeiterinnen in den 25 Jahren seit Einrichtung einer professionellen Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle begegnet, Menschen, die Rat und Hilfe suchten, aber auch Menschen im Netzwerk, ohne die der Einsatz mit und für die Menschen nicht so gut gelingen könnte. Fest der Begegnung anlässlich 25 Jahre Schuldner- und Insolvenzberatung in den Räumen des Caritasverbands in Neuwied. | Fotos: Jens Arbeiter

1990 | Die Anfänge

Die sprichwörtliche „Butter auf dem Brot“ fehlte immer wieder und vielfach den Menschen, die Anfang der 90-er in der allgemeinen Sozialberatung des Caritas- verbandes Neuwied vorsprachen. Infolge von hoher Arbeitslosigkeit, dem zunehmenden Wegfall einfach strukturierter Tätigkeiten, einer verstärkten Bewerbung von Konsumentenkrediten zur Wirtschaftsförderung sowie persön- lichen Krisen wie Scheidung, Trennung und schwere Krankheiten gerieten zunehmend Hilfesuchende in erhebliche finanzielle Nöte. In finanziell guten Zeiten eingegangene Zahlungsverpflichtungen konnten nicht mehr eingehalten werden, Menschen fanden alleine keinen Ausweg, waren überfordert. Den Hilfe suchenden Menschen drohten im schlimmsten Fall durch Energieschulden die Stromsperre oder durch Mietschulden der Verlust der Wohnung und damit oft der Verlust des Lebensmittelpunktes der Familie. „In der Beratung von Familien machten wir die Erfahrung, dass Eltern mit massiven finanziellen Sorgen ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern nicht oder nur sehr eingeschränkt nachkommen konnten“, daran erinnert sich Susanne Wilmer, seit 1989 Mitarbeiterin im Sozialen Dienst des Caritasverbandes Neuwied sehr lebhaft. „Wir haben uns damals auf den Weg gemacht, überschuldete Eltern in finanziellen Nöten gezielt zu beraten, um so die Lebensgrundlage der Familie besser abzusichern . Ein weiteres Ziel war, dass Eltern so mit neuer Kraft ihrer Verantwortung ihren Kindern gegenüber besser gerecht werden können. Wir eigneten uns dazu spezielles Wissen an in sozialrechtlichen Fragen, in Fragen der Zwangsvollstreckung, in Fragen der Verhandlungen mit Gläubigern.“

1992 | Die Armutsuntersuchung

Es folgte die Armutsuntersuchung des Deutschen Caritasverbandes im Jahr 1992/1993. Sie bestätigte die obigen Beobachtungen und Entwicklungen und brachte einen starken Schub für die konkrete Arbeit. Der Deutsche Caritasverband forderte so zum einen eine weitere Professionalisierung der Beratung im Hinblick auf eine spezialisierte Schuldnerberatung. Zum anderen forderte er die Einrichtung eines spezialisierten Beratungsangebotes für die zunehmende Anzahl hilfe- suchender verschuldeter Menschen. Mit einer Handvoll engagierter Kolleg/innen machte man sich im Bistum Trier auf den Weg, das Angebot der Schuldnerberatung als festen Bestandteil der Hilfen vor Ort zu etablieren und in den Folgejahren zu professionalisieren. Ein Ergebnis dieser Bemühungen war die Anerkennung des Landes Rheinland-Pfalz als Schuldner-und Insolvenzberatungsstelle ab dem 8. Dezember 1998. Seither werden 1,3 Personalstellen vom Land anteilig finanziell gefördert. Nach wie vor wird der Fachdienst zudem in hohem Maße aus Kirchensteuermittel des Bistums Trier finanziert und abgesichert.

1999 | Die erste Insolvenzordnung

Am 1. Januar 1999 trat die erste Insolvenzordnung in Kraft. Diese sah erstmals in Deutschland die Möglichkeit vor, unter der Voraussetzung der Einhaltung von gesetzlichen Bedingungen wie insbesondere der Erwerbstätigkeit und der Mitwirkung nach 7 Jahren (seit 2014 nach maximal 6 Jahren), auf Antrag Restschuldbefreiung in einem gerichtlichen Verfahren zu erlangen. Mit den rechtlichen Anforderungen der Insolvenzordnung hat sich der Fachbereich in den vergangenen Jahren und bis heute vielfach und sehr intensiv befasst.

2018 | Standortbestimmung und Ausblick

„Unser Selbstverständnis ist mehr als rein rechtliche Verfahrensberatung zum Durchlaufen des Insolvenzverfahrens oder Wirtschaftssozialarbeit“, so Daniela Veith, seit 2015 Mitarbeiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung. „Im Mittel- punkt unserer beruflichen Tätigkeit steht der ganze Mensch mit Schulden aber auch mit seinen Fähigkeiten und Begabungen, mit seinen Mitmenschen, seiner Familie. An all dies knüpfen wir mit individuell erarbeiteten persönlichen Lösungsansätzen an. Wir Mitarbeiterinnen sehen uns als Anwalt der Schuldner/innen und als Befähiger beim Verbessern konkreter Lebensbedingungen. Wir sehen uns aber auch als Dienstleister im Verbund mit anderen Trägern von Sozialleistungen und Kooperationspartnern im Verbund mit Gerichten, Banken, Sparkassen und anderen.“ Auf dem Foto (von links): Claudia Pauly, Dienststellenleiterin der Caritas-Geschäftsstelle Neuwied, früher selbst in der Schuldner- und Insolvenzberatung tätig — Susanne Wilmer, Beraterin — Birgitt Herzog, Verwaltung — Daniela Veith, Beraterin — sowie Caritasdirektor Eberhard Köhler. „Aber auch die politische Arbeit steht im Fokus der Mitarbeiterinnen. In Gremien- arbeit wird auf problematische Entwicklungen einkommensarmer Menschen hingewiesen und an Lösungsansätzen gearbeitet“, so Claudia Pauly, Fachteam- leitung und Dienststellenleitung des Caritasverbandes in Neuwied. Die beiden Schuldnerberaterinnen werden in der Verwaltung unterstützt von Birgitt Herzog, ebenfalls langjährige Mitarbeiterin des Caritasverbands in Neuwied. Gemeinsam betreuten die Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr 405 Menschen in Kurz- und Langzeitkontakten. 218 Personen wurden zum Pfändungsschutzkonto beraten und 159 Freigabebescheinigungen ausgestellt. Dies ist ein unerlässlicher Beitrag zur Existenzsicherung, da oftmals nur auf diesem Wege Miete und Strom sowie der Lebensunterhalt gezahlt werden können. Laut statistischen Erhebungen z.B. der Creditreform ist die Zunahme über- schuldeter Menschen in der Personengruppe der älteren Menschen am stärksten zu spüren. Dies ist laut Susanne Wilmer auch schon lange in der Beratungsarbeit angekommen. Die Mitarbeiterinnen stellen sich den neuen Herausforderungen systematisch. Sie suchen gezielt die Kooperation mit Stellen und Einrichtungen, die mit der Begleitung älterer und alter Menschen vor Ort befasst sind.
  • 001
  • 002
  • 003
  • 004
  • 005
  • 006
  • 007
  • 008
  • 009
  • 010