Die Interventionsstelle der Caritas — in

Pandemiezeiten wichtiger denn je

31.5.2021 | Die Zwischenbilanz der Interventionsstelle des Caritasverbands Rhein- Wied-Sieg e.V., einer Beratungsstelle für Opfer von Gewalt in engen sozialen Beziehungen, zeigt weiter steigende Fallzahlen. Beratungsform und Verteilung zwischen Stadtgebiet und Landkreis haben sich im vergangenen Jahr jedoch verschoben. Die seit 2008 eingerichtete Interventionsstelle des Caritasverbands Rhein-Wied-Sieg e.V. berät Opfer häuslicher Gewalt, also Menschen, die Gewalt in ihrem engen sozialen Umfeld erfahren, und sucht gemeinsam mit den Opfern nach einem Ausweg aus der Gewaltspirale. An die Hilfeeinrichtung können sich Betroffenen direkt wenden oder sie werden, nach einem Polizeieinsatz mit ihrem Einverständnis von der Interventionsstelle kontaktiert. Mit diesem sogenannten Pro-Aktiven-Beratungsansatz soll der Zugang zum Hilfesystem erleichtert werden, ein notwendiger Schritt, denn häufig ist die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, groß. Auch die Kinder in diesen Familien sind der von Gewalt bestimmten Situation ausgesetzt. In 108 betroffenen Familien mit Kindern, im Jahr 2020, lebten mindesten 212 minderjährige Kinder. Selbst dann, wenn sie selbst nicht unmittelbar Opfer der Gewalt sind, leiden sie unter der Situation und können psychische Beeinträchtigungen entwickeln. Seit 2019 stieg die Zahl der Menschen, die beraten wurden stetig an von 135 im Jahr 2019, auf 156 im Jahr 2020 und ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt, Mai 2021, bei 63 angelangt. Die Zahlen der Ratsuchenden haben sich seit der Pandemie verschoben. In den Vorjahren hielten sich die Betroffenenzahl zwischen Stadt Neuwied und Landkreis die Waage, 2020 hat sich das Verhältnis dahingehend verschoben, dass 61% aus dem Landkreis kamen. Eine weitere Verschiebung hat sich Pandemie-bedingt in der Art der Beratung ergeben, im Gegensatz zu den Vorjahren erfolgt nun die Beratung ganz über- wiegend telefonisch, persönliche Termine sind jedoch weiterhin möglich. Massiv angestiegen sind auch die sogenannten Hochrisikofälle, von 11 im Jahr 2019 auf 33 im Jahr 2020, bei denen die Betroffenen schwerer Gewalt und massiver Gefährdung ausgesetzt sind. In Hoch-Risiko- Fallkonferenzen wird unter Ein- beziehung von Polizei, Jugendamt und Beratungsstellen eine standardisierte Gefährdungseinschätzung vorgenommen, um gute Schutzkonzepte zu entwickeln, immer vorausgesetzt, dass Opfer wünscht eine solche Maßnahme. „Häusliche Gewalt war und ist ein Thema vor, während und wohl auch nach der Pandemie“ kommentiert Eberhard Köhler, Direktor des Caritasverbands Rhein- Wied-Sieg e.V. die Zwischenbilanz der Interventionsstelle. „Rheinland-Pfalz hat durch das parteiübergreifend beschlossene Interventionskonzept einen wichtigen Schritt zum Schutz der Opfer gemacht. Mit unserer Interventionsstelle sind wir ein Baustein in dem Kampf gegen häusliche Gewalt. Die gute Vernetzung mit den vielen anderen Akteuren hier in Neuwied macht zudem eine gute Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit möglich“, so Eberhard Köhler weiter. Die Interventionsstelle ist zu erreichen unter Tel. 02631 — 98 75-52 Weitere Infos auf unserer Homepage: www.caritas-neuwied.de/ist.htm